Montag, 17. Oktober 2016

Hämmernde Beats und gleißendes Licht - Jean Michel Jarre in Frankfurt

Wooooow! Mit dem Alter wird man immer besser? Dass das durchaus stimmt, bewies gestern Abend Jean Michel Jarre in der Frankfurter Festhalle bei seinem ersten Deutschland-Konzert auf seiner "Electronica"-Tour. Für mich ist er nach wie vor einer der Besten. Ganz objektiv ist er einer der bedeutendsten Künstler der elektronischen Musik und hat viele der heute bekannten DJs und Künstler inspiriert - und inspiriert sie noch immer. Und er ist 68 Jahre alt. Verstaubte und langweilige Musik? Ganz im Gegenteil ...

Schon das Betreten der großen Festhalle war nicht so, wie das sonst ist. Die Halle war dunkel und nur ein paar Scheinwerfer durchschnitten die nebelige Luft zur Musik von DJ Marco Grenier. Das Finden des richtigen Platzes war eine Herausforderung. Die Musik stimmte schon gut auf das ein, was da noch kommt. Man muss wissen, dass es bei Jarre-Konzerten üblicherweise keine "Vorgruppe" gibt. Aber an diesem Abend war alles anders.


Donnernde, harte Schläge, die durch die Knochen gingen. "The Heart Of Noise" und "Automatic 2" waren die Opener. Beides sind Titel aus Jarres "Electronica"-Alben. Die meisten der gespielten Stücke stammten aus diesen beiden Alben. Aber natürlich gab es auch einige Klassiker, allerdings wurden diese ganz im Stil der "Electronica"-Stücke arrangiert. Fast durchgängig hatten die Stücke harte Beats und satte Bässe und ja - alles war tanzbar. Jarre als DJ, so kam es mir manchmal vor - und ich fand es großartig. Lediglich mit "Souvenir Of China" kam ein ruhiges Stück. Selbst andere Titel, die relativ ruhig begannen, endeten mit furiosen Drums.


Die Lichtshow kann man ebenfalls in die Kategorie der Superlative einordnen. Auf das, was dort gemacht wurde, muss man erst einmal kommen. Sowohl im Hintergrund der Bühne als auch vor den Musikern gab es bewegliche, halbdurchsichtige LED-Panels. Die Strahlkraft der LEDs war enorm. Hier wurden nun verschiedene Muster, Bilder oder auch Live-Videos dargestellt. Durch die Bewegung der Panels konnte man diese so positionieren, dass es einen 3D-Effekt gab: So wurde zum Beispiel ein sich drehender Würfel so projiziert, dass es den Eindruck hatte, Jarre wäre inmitten des Würfels. Irgendwie genial.


Nochmal zur Musik. Der Sound war erwartungsgemäß top und es war von Beginn an schön laut. Neben Jarre, der auf einem Podest etwas erhöht hinter seinen Keyboards stand, waren noch Stéphane Gervais und Claude Samard dabei. Immer wieder ein Highlight auf Jarre-Konzerten ist die Laser-Harp. Vor dem Einsatz sagte er, dass es "the trickiest moment of the show" sei, denn sie funktioniert nicht immer. Doch sie hat funktioniert und er hat sie auch live gespielt, das war ganz deutlich zu erkennen.


Nach dem Stück "Zero Gravity", welches in Zusammenarbeit mit Tangerine Dream entstand, erinnerte er an Edgar Froese, der kurz nach der Produktion dieses Stückes verstorben ist. Zwischen all den Beats und Lichteffekten war dies ein kurzer Moment der Besinnung. Beats ... ja, die härtesten gab es im Stück "Exit", welches zusammen mit Edward Snowden entstanden ist. Und auch "Oxygene 8" wurde ziemlich umgekrempelt und mit einem Beat versehen, wie es nicht einmal Takkyu Ishino auf dem "Oxygene 8 Club Mixes"-Album geschafft hat.



Als Zugabe gab es das Stück "Oxygene 17" aus seinem kommenden Album "Oxygene 14-20". Den krönenden Abschluss des Konzertes bildete das Stück "Stardust", was er zusammen mit dem DJ Armin van Buuren eingespielt hat. Dabei ging es nochmal richtig ab, zumal es eines meiner Lieblingsstücke ist.


Nach gut anderthalb Stunden war der Zauber leider schon vorbei. Die knapp 100 EUR für das Ticket haben sich in jedem Fall gelohnt. Trotzdem empfand ich das Konzert im Vergleich zu den anderen Jarre-Konzerten als etwas kurz. Egal - ich durfte Jarre wieder einmal live sehen. Für mich war es nun schon das neunte Jarre-Konzert und eines der besten. Jarre springt wie eh und je auf der Bühne herum, feuert das Publikum an und hat sichtlich Spaß an dem, was er da tut. Nein, er ist nicht in der Vergangenheit hängen geblieben, sondern transportiert den Spirit seiner Musik in die Gegenwart.


Samstag, 8. Oktober 2016

Spätsommer im Piemont

Es ist nun schon vier Wochen her, dass wir die letzten wirklich heißen Tage dieses Jahres im italienischen Piemont verbrachten. Trotzdem möchte ich noch einmal auf diese Zeit zurückblicken.

In Italien waren wir noch nie, zumindest nicht so richtig. Ein paar Grenzübertritte hatten wir in Kärnten, aber mit der berühmten italienischen Lebensart hatte das nichts zu tun. Diesmal sollte es nun der Lago Maggiore sein und die Wahl fiel auf die Stadt Verbania, genauer gesagt deren Ortsteil Suna.

Die Anreise mit dem Auto an einem Montag war nicht so toll. Es sind nur knapp 500 km, allerdings fühlte sich die Fahrt wie eine Ewigkeit an. Das mag an dem schlechten Wetter und dem Stau vorm Gotthard-Tunnel gelegen haben. Raus aus dem Tunnel und alles war anders: Sonne. Man konnte nun endlich die Berge sehen, durch die wir schon die ganze Zeit gefahren sind und das Ziel war nahe. Endlich kam Urlaubsstimmung auf. Die letzten Kilometer ging es immer direkt am Ufer des Lago Maggiore entlang und nicht nur die Architektur der Gebäude und Dörfer sagte uns, dass wir nun in Italien sind.


In Suna fanden wir sehr schnell unser Hotel; es lag direkt am See und es war das einzige Hotel in diesem Viertel. Daneben eine Kirche, mehrere Lokale und Wohnhäuser. Sehr schön, denn das lies auf wenig Touristen und viele Einheimische hoffen. Unser Zimmer war nicht direkt im Hotel, sondern in einem Gebäude in einer kleinen Seitengasse. Es war im Erdgeschoss, was bei der Hitze sehr angenehm war, hatte eine kleine Küche und war auch sonst sehr modern und insgesamt top. Es gab sogar einen Innenhof zum gemütlichen Sitzen. Aber lange wollte ich mich dort gar nicht aufhalten, denn das Umland lockte! Am ersten Tag gleich nach dem Einchecken haben wir uns erst einmal mit der unmittelbaren Umgebung vertraut gemacht und fanden dabei ein Lokal mit überdachtem Biergarten, in dem fast nur Einheimische waren. Das war dann auch das Lokal, in dem die Pizza am besten geschmeckt und das Eis am größten war.


Weiter die Umgebung erkunden - das war auch der Plan für den nächsten Tag. Wir sind in den Ortsteil Pallanza gelaufen, von wo aus wir mit dem Schiff auf die Borromäischen Inseln schipperten. Zuerst die "Isola Bella" und dann "Isola Madre". Allein die Namen klingen schon hübsch und die Inseln sind es auch. Allerdings sind diese wohl nur für die Touristen gemacht und wenn man sich die berühmten Gärten dieser Inseln ansehen will, muss man 20 EUR löhnen. Nö, das sahen wir dann nicht ein. Also wieder zurück nach Pallanza und von dort weiter in den Ortsteil Intra, dem größten Teil der Stadt Verbania. Auch hier enge Gassen, verschlafene Häuser und freundliche Menschen.


In den folgenden Tagen gab es einen Mix aus Wanderungen und weniger anstrengenden Aktivitäten. Einen Aufstieg von 910 Höhenmetern machte ich vom Bergdorf Cossogno hinauf auf den Monte Todum. Hier kam ich zum ersten Mal an einem alten verlassenen Bergdorf vorbei, Alpe Rugno. Und das hatte schon etwas Romantisches, zumindest für die Wanderer. Die Menschen, die dort lebten, verbrachten die Zeit in aller Einfachheit. Es gab keine Straße, auf der man mit einem Auto hätte zu dem Dorf fahren können. Manchmal ist eine solche Abgeschiedenheit eine wahre Wohltat - mir begegneten auf dieser Wanderung (und auch auf den weiteren) kaum Menschen. Grandios war der Ausblick vom Gipfel des Monte Todum: noch höhere Berge, tiefe Täler, mittendrin immer wieder Bergdörfer und natürlich unten der Lago Maggiore. Traumhaft!


Am nächsten Tag ging es in das kleine Örtchen Mergozzo, welches am Lago di Mergozzo, einem kleinen See liegt. Idyllischer geht es kaum. Keine Hektik, kein Stress, kein Lärm.


Laut ging es hingegen in Mailand zu. Ich meine, man muss die Stadt einmal erlebt haben, auch wenn es mir nach der Ruhe der Tage zuvor viel zu anstrengend war. Einmalig auf jeden Fall ist der Dom, auf dessen Dach wir gestiegen sind (ganz offiziell, legal und mit Eintrittsgeld). Alles Marmor! Der Blick von da oben über Mailand ist sehr ungewöhnlich: Im Vordergrund die Marmorfiguren des Domes und dahinter die moderne Skyline. Ach ja, mit dem Auto traute ich mich nicht in die Stadt - schon allein wegen der Suche nach einem Parkplatz. Also parkten wir außerhalb an einer Metrostation und haben tatsächlich ins Zentrum und auch wieder zurück zum Auto gefunden :-)


Nach diesem urbanen Tag brauchte ich wieder meine Berge. Also fuhr ich wieder ins Hinterland nahe des Örtchens Miazzina und machte mich auf, den Monte Todano zu bezwingen. Auch dies war wieder eine schöne Wanderung, auf deren Weg sogar eine Hütte des italienischen Alpenvereins lag. Kurz nach der Hütte sah ich dann das Gipfelkreuz des Monte Todano und den Weg dorthin. Es ging noch ein ganzes Stück hoch und - das klingt jetzt vielleicht blöd - je näher ich dem Gipfel kam, umso glücklicher wurde ich. Das war kein wirklich anstrengender Aufstieg, aber mein Kopf wurde immer freier. Ich trug mich ins Gipfelbuch ein, genoss den Ausblick und machte mich wieder auf den Rückweg.


Die "Tour der sieben Kirchtürme" folgte am Tag darauf. Der Weg hat einen religiösen Hintergrund. Aber auch wenn man es mit Religion nicht so hat, so lohnt er sich allemal. Highlight war die Überquerung des "Torrente San Bernardino", einem Fluss, der ein sehr tiefes Tal in die Landschaft geschnitten hat. Auch die Blicke auf die Bergdörfer hätten schöner nicht sein können.


Auf den Hausberg von Stresa, dem Monte Mottarone, ging es am nächsten Tag. Jedoch nicht zu Fuß, sondern einmal ganz bequem mit einer Seilbahn. Der Berg selbst ist nicht besonders spektakulär. Bei guter Sicht hat man zweifellos tolle Ausblicke. Allerdings ist der Gipfel mit verschiedensten Antennen ziemlich verschandelt. Witzig: Da oben gibt es eine Sommerrodelbahn, die wir natürlich gefahren sind. Der Ort am Fuße des Berges, Stresa, ist dann doch eher touristischer als Verbania; große Hotels und viele Souvenirgeschäfte. Von der Seilbahn hat man übrigens einen guten Blick zu den Borromäischen Inseln im Lago Maggiore und nach Verbania am gegenüberliegenden Seeufer.


Am letzten Tag machte ich noch eine schöne Abschiedswanderung. Diese führte mich wieder hinein in den Nationalpark "Val Grande" auf schmalen Wegen durch das wirklich beeindruckende Tal des Rio Pogallo. Ich kam an mehreren verlassenen Bergdörfern vorbei und hier war die Einsamkeit spürbar. Keinerlei Infrastruktur, kein Mobilfunknetz und keine Menschen. Nur einem Reh begegnete ich im Wald. Ich bedauerte, dass es die letzte Tour ist und nahm die Dinge umso mehr war.


Von den Tagen dort habe ich sehr viele Einrücke mitnehmen können und hin und wieder vermisse ich die Abende am Ufer des Lago Maggiore. Ein paar Dinge habe ich dort gelernt:

  • Pizza schmeckt am besten, wenn man sie in Italien isst
  • das Eis wird in größeren Portionen als in Deutschland verkauft und schmeckt trotzdem gut
  • wenn Italiener englisch sprechen, versteht man sie genauso wenig, wie wenn sie italienisch sprechen
  • in Italien gibt es wesentlich mehr hübsche Kerle als in Deutschland 😜


Mittwoch, 8. Juni 2016

200 Kilometer Eifelsteig und 1.210 Meter Elbsandsteingebirge

Drei Wochen Urlaub sind eigentlich eine lange Zeit. Für den, der aber Urlaub macht, kann es nie lang genug sein. So vergingen rückblickend die drei Wochen im Mai und Juni gefühlsmäßig doch recht schnell, zumal sie auch gut ausgefüllt waren.

In den ersten beiden Wochen wanderte ich mit Johnny auf dem Eifelsteig. Eine solche Mehrtageswanderung ist schon fast Tradition. Einmal im Jahr geht's zusammen auf die Strecke. Da der Eifelsteig mehr als 300 km lang ist, entschieden wir uns für eine Aufteilung. So machten wir in diesem Jahr acht Etappen mit insgesamt ca. 200 km. Die restlichen sieben Etappen werden wir im kommenden Jahr erwandern.


Los ging's in Aachen, einer Stadt, von der wir beide irgendwie mehr erwartet hätten. Ok, der Dom ist schon imposant und architektonisch beeindruckend. Auch der Weihrauch, der dort verbreitet wird, ist ein besonderer. Ansonsten machte die Stadt einen eher tristen Eindruck auf uns. Aber wir waren auch nicht auf große Städte eingestellt, sondern freuten uns auf die vor uns liegenden acht Tage nach Hillesheim. Und die waren dann recht abwechslungsreich, führte uns der Weg doch vorbei an historischen Stätten, durch Natur- und Kulturlandschaften, in verschlafene Orte. Hier nur ein paar davon: Kornelimünster mit Kloster und Klosterkirche, Struffelter Heide, Dreilägerbachtalsperre, Hohes Venn, Ort Monschau, Urfttalsperre, Wüstung Wollseifen, ehem. "NS-Ordenburg" Vogelsang, Römerkanal, Ort Blankenheim, Ahr-Quelle, Wasserfall Dreimühlen. Ebenfalls traditionsgemäß gab es unser täglich Eis und manchmal auch nach dem Abendessen einen regionalen Kräuterlikör. Das gehört einfach dazu, wenn man die Region kennenlernen will. Und natürlich war ich auch froh, als wir am achten Tag Hillesheim erreichten; so viel Eifel auf einmal muss man erstmal verkraften ;-)



Deswegen ging es im zweiten Teil des Urlaubs in die Sächsische Schweiz, also den deutschen Teil des Elbsandsteingebirges. Marco und ich bezogen unser Quartier in der Stadt Wehlen. Ein nettes ruhiges Örtchen unterhalb der Bastei direkt an der Elbe. Von hier aus wanderten wir über die Bastei und den Amselgrund nach Hohnstein. Ein anders mal ging es zu den beeindruckenden Schrammsteinen. Die Gegend ist schon ein wundervolles Wandergebiet. Aber wenn man so wie ich auch klettert, möchte man am liebsten die Felsen mit Seil und Karabiner erklimmen. Man kann nicht alles haben - dafür hatten wir einen wundervollen Sonnenuntergang auf dem Pabststein. Es war schon mystisch, als der Nebel im Tal immer höher kam und von den Bergen nur noch die Gipfel zu sehen waren. Am Horizont die Sonne über dem schemenhaft erkennbaren Dresden. Eine solche Stimmung gibt selbst hier nicht so oft - wir hatten Glück und mit Ralf, einem befreundeten Kollegen von dort, einen Begleiter, der sich gut auskannte.



Auch wenn man in dieser Landschaft Tag und Nacht wandern möchte, bestand ich nicht darauf. Einen Tag ging es nach Dresden: historisches Zentrum, Frauenkirche, das berühmte "Blaue Wunder" und die älteste Schwebebahn der Welt in Loschwitz. Auch Pirna statteten wir einen Besuch ab und genossen ein Stück Eierschecke in "Ilses Kaffeestube". Natürlich durfte ein Besuch auf der Festung Königstein nicht fehlen und da noch Zeit war, schauten wir uns das Eisenbergwerk in Berggießhübel an, in dem das Eisen für das "Blaue Wunder" abgebaut wurde.

Höhepunkt dieser Tage dort allerdings war unsere Ballonfahrt, die wir am Montag Abend unternahmen. Bei idealem Wetter startete unser Ballon in Thürmsdorf nahe der Festung Königstein. Es ging hinauf auf 1.210 Meter und der Blick von da oben auf das Elbsandsteingebirge war überwältigend. Wir fuhren Richtung Stolpen, wo wir nach ca. einer Stunde holprig auf einem Feld landeten. Nachdem das überstanden war, erhob man uns in den Adelsstand:

"Baron Thomas zu Karlsruhe - aufsteigender Ballonriese und spaßiger Wiesenhüpfer weit hinter Königstein" und "Gutsherr Marco zu Karlsruhe - hochsteigender Fährmann der Lüfte und edler Herrscher über die Wiesen und Wälder rund um Hohnstein".