Freitag, 31. März 2017

Kebu - Perplexagon Tour 2017

Kebu, so nennt sich der finnische Musiker, der mir bis vor drei Wochen völlig unbekannt war. Sein Name fiel mir im Zusammenhang mit dem "Schallwelle"-Preis auf; dieser Preis wird jährlich an Künstler aus der Szene der elektronischen Instrumentalmusik verliehen. Auf Youtube fand ich nun Videos von einigen seiner Live-Auftritte, so wie dieses hier:


Wer nun meinen Musikgeschmack kennt, der weiß, dass das ganz meine Wellenlänge ist. Oh ... und was stand da eben? On Tour? Volltreffer, sogar Karlsruhe ist neben einigen anderen wenigen deutschen Städten dabei. Und dann noch im "Tollhaus", da bin ich zu Fuß in zehn Minuten. Also gleich Karte gekauft. Natürlich war es wieder fast unmöglich, noch jemand zu finden, der da mitkommt. Aber da habe ich den Tobi gefragt und in ihm einen Verbündeten für den gestrigen Abend gefunden. Endlich mal einer, der meinen Musikgeschmack teilt und nicht zig Kilometer weit weg wohnt.

Vor dem Konzert verabredeten wir uns noch auf ein Eis und dann liefen wir zum Tollhaus. Etwas skeptisch schauten wir uns im Eingangsbereich um; es waren kaum Leute da. Einer fiel mir aber sofort auf - den habe ich schon auf fast jeden Elektronik-Konzert gesehen, auf dem ich auch war. Ich sprach ihn gleich an. Er heißt Tom und kommt aus Speyer, also auch gar nicht weit weg. Wir unterhielten uns ein wenig über die aktuellen Jarre-Konzerte, verliefen uns dann aber im Saal.

Auf der Bühne eine Burg an Analog-Synthesizern, denn Kebu nutzt keine digitalen. Das sah schon mal beeindruckend aus. Alles andere war Erwartung.

Mit einiger Verspätung kam er nun auf die Bühne, begrüßte uns kurz (mittlerweile waren es doch noch mehrere geworden) und legte gleich los. Etwas ruhig, aber sehr kraftvoll. Die Akustik war ganz passabel, auch wenn man keine Lautsprechertürme wie bei anderen Konzerten sah. Ein paar Lichteffekte gab es auch und im Hintergrund liefen verschiedene Projektionen. Für die Größe des Konzerts gab es an Optik und Akustik absolut nichts zu meckern.


Die Titel, die er spielte, wurden nun rhythmischer und schneller, alle durchweg mit einer exzellenten Basslinie. Und auch die Sounds, die er den analogen entlockte, waren keineswegs verstaubt und altmodisch. Im Gegenteil. Streckenweise waren das astreine Trance- und Techno-Sounds. Kurz vor der Pause erklärte er uns dann etwas von der Technik. Da er ja nur allein auf der Bühne steht, die Stücke aber sehr komplex sind, könnte man ja meinen, dass der Rest "vom Band" käme. Aber wie ich schon vermutet habe, nutzt er natürlich einen Sequenzer, der die Synthies ansteuert. Er sagte, dass er dann den einen oder anderen Track vom Sequenzer übernimmt und live spielt oder ihn an den Sequenzer übergibt, um einen anderen Track zu spielen. Das konnte man dann auch ganz gut sehen. In der Pause habe ich Tobi dann erklärt, was ein Sequenzer ist und wie man ihn nutzt.


Die Musik selbst ist in der Art wie die vom Großmeister Jean Michel Jarre, wobei auch Einflüsse anderer klar zu erkennen waren, wie z.B. Vangelis oder Kitaro. Kebu verleiht seiner Musik aber sehr gute Beats und Basslinien und im Sound allgemein macht er da schon was eigenes, was auch einen Wiedererkennungswert hat. Die teilweise Nähe zu Trance gefällt mir sehr gut und macht seine Musik sehr lebendig. Kebu selbst mag auf den ersten Blick etwas nerdig erscheinen, jedoch in einer Art und Weise, die ihn absolut sympathisch macht. Seine Freude über das anwesende Publikum war spürbar echt.


Nach vielen Stücken aus seinen bisherigen zwei Alben ("To Jupiter and back" und "Perplexagon") spielte er in den Zugaben bekannte Titel - ganz in Kebu-Art, wie z.B. "Rendez-vous 4" von Jarre, "Le Parc" von Tangerine Dream oder Jan Hammers "Crockett's Theme". Über letzteres habe ich mich besonders gefreut, denn über dieses Stück bin ich mehr oder weniger zur elektronischen Musik gekommen - im Jahr 1988, als dieses zu einer Vorstellung im Zeiss-Planetarium in Jena lief.


Insgesamt war es etwas Musik "zum Hören" und viel Musik zum Bewegen. Tobi sagte noch, dass sowas eigentlich in Clubs aufgeführt werden sollte, weil da die Stimmung und Atmosphäre besser und lockerer ist und die Leute dazu definitiv tanzen würden. Und in Bezug auf die Nähe der Musik zu Trance und Techno stimme ich dem zu.

Tolle Musik! Ich hoffe, die Welt wird noch viel von Kebu hören!


Mittwoch, 22. März 2017

Like 1998 Talla 2XLC BDAY

Der letzte Samstag war eigentlich so geplant, dass ich abends mit Manu zur 90er Party in die "Fabrik" nach Bruchsal gehe. Darauf habe ich mich gefreut, denn 50 % der Musik, die da gespielt wird, mag ich. Nun hat mir aber schon am Tag zuvor Tobi geschrieben, dass er mit seinen Kumpels nach Offenbach in den "MTW Club" fahren will; dort sei eine recht gute Techno-Party. Er schickte mir den Flyer und ich war wie elektrisiert. Der legendäre DJ Talla 2XLC hatte Geburtstag und lud zur Party ein.

Ok, erstmal etwas Aufklärung. Tobi? Diesen technobegeisterten Karlsruher habe ich die Woche zuvor bei den Techno Classix im Karlsruher Nachtwerk kennengelernt. Talla 2XLC? Er war ein maßgeblicher Wegbereiter bei der Verbreitung von Techno und Trance in Deutschland und legte in so legendären Clubs wie dem Frankfurter "Dorian Gray" auf. Heute ist er Mitte 50, aber noch immer einer DER angesagtesten DJs - nicht nur in Deutschland.

Naja jedenfalls war ich nun über den ganzen Samstag hin- und hergerissen. Ganz subtil fragte ich bei Manu nach, wie sie sich denn fühlt (und damit indirekt, ob sie vielleicht keine Lust auf die 90er Party hätte ... ). Und Tobi versuchte, mich mit immer wieder neuen unwiderlegbaren Argumenten nach Offenbach zu bewegen. Ich bat dann einfach Manu, mir zu schreiben, dass sie auf die 90er Party keine Lust hätte - denn dann würde ich sie ja nicht versetzen 😇  Das tat sie dann auch. Und falls Du das hier liest, liebe Manu, ich habe es schwarz auf weiß: DU hattest keine Lust auf die 90er Party 😜

Also bin ich freudig erregt ins 140 km entfernte Offenbach (bei Frankfurt am Main) gedüst und war einer der ersten Gäste im MTW Club. Der erste DJ, LXD, legte schon beste Musik auf und es dauerte nicht lange, bewegten sich die ersten auf der Tanzfläche. Ich war diesmal etwas zögerlich, da ich noch allein war. Aber lange ging das nicht gut, irgendwann riss es mich mit. Während ich dann so ins Tanzen vertieft war, sprang mich plötzlich der mittlerweile eingetroffene Tobi an und freute sich riesig, dass ich da war. Die Party konnte nun also beginnen!


Als LXD fertig war, übergab er das Pult an das Geburtstagskind. Talla 2XLC legte viele der bekannten Klassiker auf. Auf der nun doch sehr vollen Tanzfläche gab es kein Halten mehr, die Stimmung konnte nicht besser sein. Das Motto der Party "Like 1998" machte seinem Namen alle Ehre. Nicht nur ich fühlte mich doch sehr in eine andere Zeit zurückversetzt. Dazu beigetragen hat auch die geniale Lasershow, die speziell nur für diesen Abend gemacht wurde.


Als Talla 2XLC nach 90 Minuten mit seinem Set fertig war, applaudierten wir ihm und es ging nahtlos mit Dumonde weiter, der uns die nächste Stunde nicht von der Tanzfläche ließ. Nach ihm wurde es lustig, denn er übergab an Woody van Eyden. Er ist ziemlich albern bei seinem Job und es machte wirklich Spaß, ihm zuzuschauen. Auch er brachte richtig gute Classix, toll.


Obwohl ich in dieser Nacht meinen Durst ausschließlich mit Cola RedBull gestillt habe, wurde ich nun müde und ich dachte an die 140 km lange Heimfahrt. Also verabschiedete ich mich, auch wenn mir die beiden nächsten DJs Scott Bond und Bluefire dabei entgingen. Gegen 5 Uhr morgens lag ich dann in meinem Bett - noch immer zappelig und den Sound im Ohr.


Trotz der wahnsinnig guten Beats machte sich bei mir hin und wieder etwas Melancholie breit, gar nicht negativ gesehen. Wir alle hatten damals, als diese Musik noch in vielen Clubs lief, eine sehr gute Zeit. Und wir alle sind 20 Jahre älter geworden. Die Musik ist jedoch geblieben und gibt uns auch heute noch - oder sogar noch mehr - einfach ein gutes Feeling. Und das Beste: Viele jüngere und junge sind von dieser Musik genauso begeistert wie wir damals - und heute!

Freitag, 3. Februar 2017

Can't stop raving

Seit einiger Zeit ist mein Samstag Abend wieder den Partys vorbehalten. Und das im Jahr 2017, nicht 1994! In Würde altern? Naja gut, noch bin ich nicht tot.

Aber tatsächlich ist es manchmal so wie damals, als ich samstags nach Jena ins "B 88" oder nach Chemnitz ins "Starlight" gefahren bin und zu Techno und Trance gefeiert habe. Nur heißen die Clubs jetzt "Monk Bar" oder "Fabrik". Im ersteren geht es eher gediegen zu, auch wenn schon mal bekannte DJs wie z.B. Mousse T. auflegen. So richtig Partystimmung gibt's dann aber in der Fabrik in Bruchsal zu den 80er und 90er Partys. Gegipfelt hat das ganze am letzten Samstag zu den "Techno Classics".

Manu und ich eröffneten mal wieder die Tanzfläche und ab da gab es für viele kein Halten mehr. Auch für uns. Musikalisch war es eine Zeitreise zurück in die besten 90er, als es in Berlin noch die Loveparade gab und man sich zur Musik wirklich bewegte und nicht nur blöd rumstand. Der DJ spielte sehr gut organisiert und mit ordentlichen Bässen die besten Hits der damals angesagten Genres der elektronischen Musik: Techno, Trance, Rave, Dream-House. Geschlagene 4,5 Stunden tanzte ich durch - nur unterbrochen von zwei kleinen Trinkpausen, die ich aus optischen Gründen sehr gern an der Bar verbrachte 😜


Wie schon damals hat diese Musik ja auch einen sozialen Effekt. Nicht anders war die Love Parade zu erklären. Gute Laune, die Menschen lachen und fühlen sich zusammengehörig. Auch an diesem Abend gab es nur wenige, die ein dummes Gesicht beim Tanzen machten. Alle haben dieses Feeling genossen.

Schade, dass diese Musik nicht mehr soooo angesagt ist - unsere heutige Zeit könnte sie gut gebrauchen. Und die Mega-Events, wie z.B. die "TimeWarp" in Mannheim, sind mir dann doch eine Spur zu groß und zu voll. Schön dass es aber diese Clubs gibt, die den Zeitgeist von damals aufleben lassen.